Was Eltern tun können

Die Berliner Diplompsychologin und Buchautorin Helga Gürtler gibt sieben einfache Tipps, wie Mütter und Väter die Fantasie ihrer Kinder unterstützen können

Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Kind eine spannende Geschichte
(siehe Tipp 5) oder lesen Sie vor

Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Kind eine spannende Geschichte (siehe Tipp 5) oder lesen Sie vor

1. „Spinnen“ Sie mit

Die Auswüchse kindlicher Fantasie sollten Erwachsene nicht abwerten. Die Angst eines Kindes vor dem Monster unter dem Bett sollte nicht mit einem „Spinn nicht rum“ abgetan werden. „Bleiben Sie mit dem Kind in der Fantasiegeschichte“, rät Helga Gürtler. „Finden Sie innerhalb dieser erfundenen Welt eine Lösung für das Problem – am besten gemeinsam mit dem Kind.“ Das nimmt dem Kind die Angst, fördert die Kreativität und macht auch Erwachsenen Spaß.

2. Raus in die Natur

Wald und Wiese bieten viel Raum für Entfaltung. Dort bekommt ein Kind laufend neue Impulse. Die Natur ist ein echter Abenteuerspielplatz. Wichtig: „Eltern sollten nur Ideen anstoßen“, sagt Gürtler. Etwa nach dem Motto: Schau mal, der Baum sieht aus wie eine Höhle. Meinst Du, da wohnt jemand drin? Erwachsene sollten nicht immer gleich die Regie beim Spiel übernehmen. Fragen Sie Ihr Kind lieber: „Und was soll ich jetzt machen?“ Es wird sich schon eine sinnvolle Aufgabe für Sie ausdenken.

3. Nicht zu viele Spielzeuge

Kinder brauchen kein überladenes Kinderzimmer – sondern Platz, um ihre fantastischen Ideen umzusetzen. Gürtler: „Viele Spielsachen sind in ihren Einsatzmöglichkeiten stark begrenzt. Sie lassen nur eine bestimmte Art von Spiel zu.“ Oder sie funktionieren gleich vollautomatisch. Besser: wandelbares Spielzeug, ganz ohne Anleitung. Kinder finden einen Weg, solche Dinge in ihr Spiel mit einzubeziehen und ihnen Leben einzuhauchen. Sprechende Puppen oder motorisierte Autos sind gerade für Kleinkinder überflüssig. Nach wie vor immer noch das beste Spielzeug, um die kindliche Kreativität zu fördern: Ein leeres Blatt Papier und ein paar Buntstifte.

4. Fernseher und Computer sind nicht tabu

Elektronische Medien sind nicht immer zwangsläufig Fantasie-Killer. „Das ist wie mit dem Alkohol bei Erwachsenen“, sagt Helga Gürtler. „In Maßen und nur zu besonderen Gelegenheiten konsumiert, ist nichts dagegen einzuwenden.“ Kinder können sich in die Geschichten auf dem Bildschirm hineinversetzen. Eltern können im Anschluss Anreize geben, die Geschichte weiterzuspielen oder sie weiterzuschreiben.

5. Die gemeinsame Gute-Nacht-Geschichte

Statt ein Märchen aus einem Buch vorzulesen, können Eltern und Kinder gemeinsam eine spannende Geschichte entwickeln. Eltern geben einzelne Stichworte und das Kind denkt sich dazu die Story aus, oder das Kind gibt Hauptperson und Handlungsort vor. Wichtig ist, dass das Kind immer wieder animiert wird, eigene Vorschläge zum Fortgang der Geschichte zu machen. „Das fördert die Problemlösungsfähigkeit und das konstruktive Denken“.

Kinder unter sich: Ohne Erwachsene ist es oft besser

Kinder unter sich: Ohne Erwachsene ist es oft besser


6. Die idealen Spielgefährten

Helga Gürtler empfiehlt: „Kinder spielen am besten und fantasievollsten mit anderen Kindern“. Gleichaltrige können sich viel einfacher in die kindliche Welt hineinversetzen und den Gedankengängen besser folgen. So fördern Kinder sich gegenseitig in ihrer Kreativität. Deshalb darf das Spiel mit Erwachsenen nicht zur Dauerlösung werden.

7. Langeweile als Fantasie-Kick

„Mama, mir ist langweilig“ – welche Eltern kennen diesen Satz nicht. „In der schöpferischen Langeweile liegt aber ein großes Fantasie-Potenzial“, sagt Helga Gürtler. Nur wer das Gefühl der Langeweile aushält, wird von selbst auf eine neue Art der Beschäftigung kommen. Die kann auch darin bestehen, eine halbe Stunde aus dem Fenster zu schauen und vor sich hin zu träumen. Die Zeit wird das Kind trotzdem sinn- und fantasievoll zu nutzen wissen.

Maria Schäfers