"Jeder kann in die Oper gehen!"

Interview mit Elke Heidenreich

Wie war Ihr erster Kontakt mit der Oper?

1956 in Essen, eine Freundin nahm mich mit in „Die Zauberflöte“. Seitdem ist Oper meine große Liebe. Mich fasziniert das Zusammenkommen von Schauspiel, Text, Bühne und Musik. Aber auch das Dramatische, die Wucht, die Emotionen.

Und warum ist es so wichtig, Kinder schon so früh an die Oper heranzuführen?
Oper ist ein wunderschönes, „zauberisches“ Kunstwerk, das die Herzen der Kinder erreicht. Und die Oper braucht eine Zukunft. Kinder sind unser Publikum von morgen. Dass das Interesse an den Opern nachgelassen hat, liegt unter anderem an den vielen modernen Stücken, die die Häuser eher leer spielen. Man darf nie das Publikum vergessen, nur Provokation bewirkt eher das Gegenteil. Andere Opernhäuser beginnen nun endlich auch mit der Arbeit für Kinder. In Köln haben wir weder Zeit, Mühe noch Kosten gescheut. Wir haben oft vergessene Stücke aufgeführt, das hat mich gereizt, mitzumachen.

Warum haben wir soviel Respekt vor der Oper?

Das sind Klischees von gestern. Jeder, der will, kann in die Oper gehen, das ist nichts Elitäres mehr. Oper heißt nicht Brokatkleid. Es ist nicht mehr so teuer wie früher, und die Inhalte sind im Programmheft erklärt.

Wenn Sie einen Operntext für Kinder aufarbeiten, wie gehen Sie dabei vor?

Ich mache keine Abstriche an der Qualität. Die Musik muss erstklassig sein, die Geschichte sollte dem Erfahrungshorizont von Kindern entsprechen. Das heißt nicht, dass die Kinder alles verstehen müssen, aber sie sollten der Handlung folgen können. Ich habe ausländische Texte übersetzt und dann in auf die Noten übertragen. Ich habe auch Zwischentexte geschrieben, wo es für die Kinder zu kompliziert wurde.

INTERVIEW: Bettina Freitag