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Viele Bilder moderner deutscher Maler haben in der Kunsthalle Emden einen attraktiven Ausstellungsort gefunden. Jedes Jahr kommen viele Besucher.

 

Die Jugendinitiative der Kulturstiftung der Länder sagt: Kultur ist nicht Luxus, sondern Notwendigkeit. Das bedeutet: Kinder zum Olymp.

Ein Plädoyer für Kunst und Lebensfreude

Wie würden Sie Ihr Kind lieber ernähren: schnelles Abfüttern mit massenproduziertem Fastfood ohne Geschmack oder leckerer Genuss mit gesundem, wertvollem Essen? Keine Frage, oder? Sicher soll Ihr Kind Vitamine und gute Inhaltsstoffe zu sich nehmen, da können dann zwischendurch ein Burger oder die fettigen Pommes Frites nicht schaden.

Eske Nannen ist Geschäftsführerin der Kunsthalle in Emden, die von Henri Nannen, dem Gründer des STERN, ins Leben gerufen wurde (Foto: Ursula Lübbe Stiftung)

Eske Nannen ist Geschäftsführerin der Kunsthalle in Emden, die von Henri Nannen, dem Gründer des STERN, ins Leben gerufen wurde

Genau so ist es mit der Kultur. Kunst und Kultur sind ein geistiges und seelisches Grundnahrungsmittel. Kinder, die frühzeitig mit allen Sinnen ihre Welt erleben, sie sich schöpferisch selbst erschließen und spielerisch immer wieder neu erschaffen, erhalten damit eine Basis, die sie für ihr ganzes Leben stärkt. Da kann ein gelegentlicher Ausflug in die Bildschirmwelt der konfektionierten Massenware nicht viel Schaden anrichten.

Aber ist das wirklich nur die Verantwortung der Eltern? Eine Gesellschaft, die davon lebt, dass immer wieder neue Generationen von jungen Menschen kreativ, neugierig und optimistisch die Welt gestalten, muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit alle Kinder und Jugendlichen für diese Aufgaben gerüstet sind. In der Malschule in Emden, die unserer Kunsthalle angeschlossen ist, beweisen wir, dass es möglich ist, Kindern durch die Begegnung mit großer Kunst und durch eigenes schöpferisches Tun ein Startkapital fürs Leben mitzugeben.

MEHR AN KINDER DENKEN

Würden Sie Ihren Kindern, Ihren Mitmenschen und Mitarbeitern solch eine Erfahrung nicht auch wünschen? Das Potenzial, das wir hier auch für uns selbst und unsere Zukunft erschließen können, erkennt selbst mancher sonst so hochanalytisch vorgehende Politiker oder Wirtschaftslenker nicht. Dabei wären die erste Schritte gar nicht so schwer: Wo immer in Kunst und Kultur investiert wird, muss ein gewisser Prozentsatz für die kulturellen Bildungsmöglichkeiten der Kinder eingeplant werden. Es darf nicht länger sein, dass millionenschwere Museen und Theater gebaut werden, in denen nicht einmal ein einziger Raum für kreative Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingeplant ist. Es darf nicht länger sein, dass in Schulen musische Fächer stets als Erstes dem Rotstift zum Opfer fallen.

Hier sind natürlich auch Museen, Theater und Konzerthäuser gefordert, sich zu öffnen, Vermittlungsarbeit zu betreiben und ihre Kompetenzen für die kulturelle Jugendbildung einzusetzen. Nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich behaupte: In Emden können Sie sehen, dass das möglich ist. Doch viele Jahre fühlte ich mich bei diesem Thema wie der Rufer in der Wüste. Es ist überfällig, dass heute – endlich! – eine öffentliche Diskussion über kulturelle Bildung für Kinder und Jugendliche in Bewegung gekommen ist, und es ist großartig, dass sich mit der Jugendkultur- und -bildungsinitiative  „Kinder zum Olymp“ der Kulturstiftung der Länder ein Konsens auf breiter gesellschaftlicher Ebene gebildet hat. Doch warum diskutiert die Öffentlichkeit erst heute dieses Thema?

FÜR DIE ZUKUNFT

Deutschland hat – bislang noch? – ein vielfältiges kulturelles Leben, auf das wir als Gemeinschaft zu Recht stolz sein können. In kulturelle Institutionen wird viel Geld (wenn auch im Verhältnis der Gesamtausgaben wenig) investiert. Lassen Sie dieses Geld arbeiten und noch fruchtbarer werden. Fordern Sie die Kultur und die Politik, daraus gemeinsam eine Investition in unsere Zukunft zu machen.


Eske Nannen