„Humus für unser Leben“

Was fällt Ihnen spontan zu Kunst und Kultur ein?

Sie sind wie Humus für unser Leben. Die Kunst erweitert unseren Horizont, weil sie ausdrückt, was wir uns manchmal nicht zu sagen trauen. Kunst und Kultur machen uns neugierig auf das Leben und toleranter gegenüber Unbekanntem. Nur so entstehen Werte und Orientierung. Erst recht in der heutigen Zeit der offensichtlichen Beliebigkeit brauchen wir diese Orientierung, um zu wissen, was gut und was schlecht für uns ist.

Warum muss die Mehrheit viel Geld für kulturelle Ereignisse zahlen, die nur eine Minderheit anschaut?

Darf ich die Gegenfrage stellen: Kann man Kunst und Kultur teilen? Ich meine nicht. Das Experimentelle und Provokante gehört doch genauso dazu wie etwa die großen Ausstellungen in Kölner und Bonner Museen, die Hunderttausende in ihren Bann gezogen haben.


Dr. Wolfgang Riedel betont: „Unser Auftrag
ist es, Werte an unsere Kinder weiterzugeben.“

Warum sind Sie ein Fan von Stiftungen?

Das Gute an ihnen ist, dass sie, einmal ins Leben gerufen, praktisch für ewig bestehen bleiben. Der Stiftungszweck ist damit dauerhaft festgelegt. Wir erleben gerade einen deutlichen Anstieg von Stiftungsgründungen – nicht nur von klassischen einzelnen Stifterpersönlichkeiten, sondern auch von aktiven Bürgern, die sich mit kleineren Beträgen beteiligen.

Wie wäre es mit zusätzlichen Steuermitteln für Kunst und Kultur?

Jeder ist aufgerufen, sich für die Unterstützung von Kunst und Kultur einzusetzen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, viel Geld auszugeben. Oft hilft auch das persönliche Engagement in seiner Stadt und in seinem direkten Umfeld.

Computer und Glotze contra Bildung und Kreativität, ist dies die aktuelle Lage unserer Kinder?

Ich möchte es schlichter formulieren: Computer und Glotze contra sich draußen bewegen und mit anderen Kindern den Tag verbringen? Seien wir doch mal ehrlich: Sind wir denn in jungen Jahren alle mit einem anspruchsvollen Buch unter dem Arm auf der Straße herumgelaufen? Ich glaube kaum.

Was empfehlen Sie, damit Kinder Kultur am eigenen Leib erleben?

Was vielen Kindern heute fehlt, ist die Motivation, vielleicht auch der Zwang, die Welt selbst zu erkunden – und zwar die echte und keine digitale. Anregungen und Angebote zum Beispiel im kulturellen Bereich zu schaffen, halte ich für immens wichtig. In Köln vermitteln wir Kindern die kölsche Sprache, damit diese die kulturellen Wurzeln erleben. Spannend wird es dann, wenn Kinder anderer Nationalitäten daran teilnehmen und ihre ursprüngliche Kultur mit der rheinischen mischen. In erster Linie liegt es an uns Eltern, unsere Kinder für das echte Leben zu begeistern. Dazu gehört auch die Beschäftigung mit kulturellen Dingen.

Was passiert, wenn junge Menschen keinen Zugang zur Kultur bekommen?

Das wäre ein großer Verlust, für die einzelne Persönlichkeit und für unsere Gesellschaft. Ein Leben ohne die Vermittlung kultureller Werte wäre ein fataler Rückschritt ohnegleichen.