Einsichten



Theater kann das eigene Leben verändern: beim Mitmachen und beim Zusehen, meint Cathrin Rose.

Theater kann das Leben verändern

VERSTECKEN GILT NICHT: ZUMINDEST FÜR DAS SEHR ANGESEHENE THEATERFEST RUHRTRIENNALE, DAS IN MEHREREN STÄDTEN DES RUHRGEBIETES AN UNGEWÖHNLICHE SPIELORTE EINLÄDT: HOCHKULTUR IN EHEMALIGEN INDUSTRIEBAUTEN. DIE TRIENNALE WILL ALLE MENSCHEN ANZIEHEN, AUCH JUNGE. DESHALB GIBT ES DIE JUNGE TRIENNALE. WAS DIE ZU BIETEN HAT, ERLÄUTERT IHRE LEITERIN, CATHRIN ROSE, IM INTERVIEW MIT KiKuMa.

 Wieso ist das Theaterfest eine Triennale und in drei Jahre aufgeteilt? – Es kann doch jedes Jahr eine neue geben!

Triennale bedeutet einfach, dass drei Jahre lang ein Intendant – ein künstlerischer Chef - dem Festival seine Handschrift gibt. Willy Decker, der in diesem Jahr seine Intendanz beginnt, hat sich die Weltreligionen als Thema genommen. In diesem Jahr beschäftigen wir uns mit der Kultur des Judentums, im nächsten Jahr mit der des Islam und im dritten Jahr ist dann der Buddhismus das große Thema des Festivals. Also gibt es ja irgendwie doch jedes Jahr eine neue Triennale, oder?

 Gibt es nicht schon genug Theater, besonders auch im Ruhrgebiet?

Theater oder Kultur kann es gar nicht genug geben! Und im Gegensatz zu den vielen Stadttheatern im Ruhrgebiet spielen wir in alten Industriehallen – der Jahrhunderthalle in Bochum, dem Salzlager der Zeche Zollverein, der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord etc.

Und im Gegensatz zu den „Guckkastenbühnen“ in den Theatern - wo also immer vorne die Bühne ist und davor die Zuschauer sitzen – weiß man bei uns nie, wie die Bühnen aussehen, wo die Zuschauer sitzen. Es gab sogar mal eine Oper, da ist die Zuschauertribüne zu den einzelnen Spielorten gefahren...

  Was können junge Menschen bei der Jungen Triennale erleben?

Wir haben für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren ein tolles Programm zusammengestellt. Das Highlight in diesem Jahr ist unser Paradiese-Kinderfest am 20. September, dem Weltkindertag, an der Jahrhunderthalle Bochum. Da sollen die jungen Besucher nicht nur zugucken, sondern vor allem mitmachen! Man kann jiddische Lieder und Tänze kennenlernen, Kunstwerke gestalten, ein Trafohäuschen besprühen und vieles mehr. Und das tolle ist, dass nicht die Erwachsenen den jungen Besuchern dies alles beibringen werden, sondern Schulklassen, die im Vorfeld in Projektwochen zur Kultur des Judentums oder zum Thema Paradiese mit vielen unterschiedlichen Künstlern gearbeitet haben.
Aber das ist nicht alles: der Kinderchor des Essener Aalto-Theaters zeigt an dem Tag die wunderschöne Kinderoper „Brundibár“ und beinahe 100 Kinder einer Bochumer Grundschule führen das Musikmärchen „Die wundersame Reise nach Esmir“ auf. Spannend wird sicher auch die große Paradies-Performance mit über 120 Kindern auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum, die gemeinsam mit Schauspielern des Bochumer Jugendtheaterprojekts TheaterTotal, inszeniert wird. Nicht zu vergessen ist natürlich die Lesung der berühmten Kinderbuchautorin Mirjam Pressler, die aus ihren spannenden Büchern vorliest.
Davor gibt es Ende August unsere Musikakademie Klangsprünge für alle Kinder, die Spaß an Musik haben. Da können sogar schon Kinder ab 4 Jahren teilnehmen und mit einer Percussionistin und drei anderen Musikern ein eigenes kleines Musiktheaterstück gestalten.

 Ist das nicht ein Angebot nur für die Kinder der Kulturelite?

Nein, ganz und gar nicht. In diesem Jahr arbeiten wir sehr stark mit Schulklassen zusammen. Bei unseren Projektwochen sind beinahe alle Schulformen vertreten: Grundschulen, Real- und Hauptschulen und Gymnasien.

 Was hat das „klassische“ Theater jungen Menschen von heute zu bieten?

Was ist denn klassisches Theater? Ich versuche mal eine Antwort: vor ein paar Wochen habe ich mir eine Inszenierung von Schillers Don Carlos angesehen (ziemlich klassisch, oder?). Gespielt von jungen talentierten Menschen eines Jugendtheaterprojektes in Bochum. Auf einer klassischen Guckkastenbühne. Mehrere Wochen haben sie an ihrer Sicht auf den Klassiker gearbeitet. Und mir hat sich eine Welt geöffnet voll von jungen Menschen auf der Suche nach richtigen Freunden, gefangen in Konventionen, die ihnen von außen aufgezwungen werden, die sich den falschen Menschen anvertrauen, versuchen, ihr Leben zu gestalten nach ihren eigenen Moralvorstellungen, gegen jede Konvention. Alles ziemlich aktuell, oder? Aber es ist drin in dem alten Schiller. So ein Theaterabend kann den Blick verändern auf die eigene heutige Welt. Es werden Verhaltensweisen sichtbar gemacht, wie unter einer Lupe. Und es gibt sie seit es das Theater gibt: die Aufführungen, die das eigene Leben verändern. Und das Tolle an jungen Leuten ist, dass sie unvoreingenommen ins Theater gehen. Nicht wie viele Erwachsenen, die oft so genaue Vorstellungen haben von dem, was das „klassische“ Theater sein sollte…

Gibt es günstige Angebote für jungen Menschen und Familien?

Klar: das Kinderfest an der Jahrhunderthalle Bochum am 20. September zum Beispiel: An allen Workshops und Veranstaltungen des Tages kann man kostenfrei teilnehmen. Ein Fest darf doch nichts kosten! Und wir freuen uns über viele kleine und große Gäste!

Aber auch unsere Musikakademie für Kinder ist nicht teuer – 5 € kostet die Teilnahme an einem Workshop entweder am 29. oder 30. August bei PACT Zollverein in Essen.

Richtet sich die Triennale auch ein Angebot für Familien von auswärts und
Kinder, die nicht mit der Schulklasse automatisch dahin kommen?

Wir laden ja zu einem Kinderfest ein – und schließen niemanden aus! Da dieses Fest an einem Sonntag stattfindet, freuen wir uns ganz besonders auf Familien egal von wo sie herkommen! Und auch Oma und Opa dürfen mit, wenn sie dazu Lust haben.


Die Fragen stellte Peter Sevenich

 

 



Das Theaterfest feiert Feste