Der Malerfürst, der nicht an das Ende der Kunst glaubt


Markus Lüpertz vor dem Werk „Die klugen und törichten Jungfrauen“ (1842) von Wilhelm von Schadow in der Frankfurter Kunsthalle Schirn.

Markus Lüpertz vor dem Werk „Die klugen und törichten Jungfrauen“ (1842) von Wilhelm von Schadow in der Frankfurter Kunsthalle Schirn.

THESE: Benötigt man heutzutage überhaupt noch Kunstausstellungen und Museen? Was sich heute nur an eine Minderheit richtet, erfüllte früher einen Zweck: Da gab es keine Aufzeichnungsgeräte. Wenn man ein Bild von sich selbst oder einem Ereignis haben wollte, brauchte man die Maler. Dann kamen Fotografie und Film. Heute sind Bilder überall verfügbar und mit dem Handy oder der Digitalkamera aufzunehmen, Computerprogramme wie „Photoshop“ ersetzen den Pinsel.

Markus Lüpertz hält Datentechnik für überflüssig und langweilig: [1] „Das verändert nichts und macht die Menschen ärmer“. Für ihn ist Malerei viel mehr als Abbildung: [2] „Ohne Kunst kann mandie Erscheinungen einer Zeit nicht wahrnehmen, auch nicht die von zurückliegenden Epochen. Was inder Geschichte passiert sein mag, ist egal. Die Vergangenheit teilt sich uns nur durch die Kunst mit!“ Für Markus Lüpertz braucht die Kunst keinen Grund und keinen Zweck: [3] „Sie entsteht aus sich selbst heraus.“

Wenn die Höhlenmenschen vor 17.000 Jahren ein Foto-Handy gehabt hätten, dann hätten sie die Tiere, die sie jagten, doch fotografiert und nicht an die Wände gemalt? [4] Doch, sagt Professor Lüpertz, sie hätten beides getan: fotografiert und trotzdem gemalt. Kunst ist mehr als Abmalen: [5] „Malen bedeutet, eine Seele zu bannen. Malerei will mehr zeigen, als man äußerlich sehen kann. Aber sie muss nichts ,müssen‘, Malerei darf alles.“

Lüpertz-Lithographie „Stilleben“

Lüpertz-Lithographie „Stilleben“


KUNST MUSS SEIN

Kunst hat ihren Wert in sich selbst. Sie entsteht, wenn ein Mensch einfach den Drang hat, sich auszudrücken. [6] „Das ist wie eine Krankheit, man kann das nicht lernen.“ Dennoch verlangt Akademieleiter Lüpertz von seinen Studenten, dass sie richtig malen lernen: „Andere Professoren sehen das anders.“

Kunst muss nicht verständlich sein. [7] „Sie kennt eben keine Normen,an denen sie jeder messen kann. Aber das ist ja das Großartige an ihr“, so der „Malerfürst“. [8] „Fußball ist auch nur etwas für Interessierte. Man muss eben einen Zugang zu der Sache finden, egal ob über den Verstand oder über das Gefühl oder sonst etwas.“

Markus Lüpertz gestaltet seine Kunst so, wie es ihm passt. Was das Publikum davon hält, ist für ihn zweitrangig. [9] „Die Leute langweilen sich bloß und wollen von der Kunst unterhalten werden.“ Aber das bekommt man nicht so einfach. Man muss die Kunst selbst entdecken. [10] „Kunst ist nur für die da, die sich interessieren. Wer das nicht will, hat Pech gehabt.“

 


Markus Lüpertz

IMMER NOCH EIN WILDER

Der 67-Jährige ist einer der berühmtesten Maler und Bildhauer unserer Zeit sowie Universitätsrektor der renommierten Kunstakademie Düsseldorf.

In den 1960er Jahren gehörte Lüpertz zu den sogenannten „Neuen Wilden“. In den Augen der Kunstkritik waren dies junge Künstler, die subjektiv, unbekümmert und lebensbejahend malten. Dabei ist es nicht geblieben: Sein Kunstwerk reicht von neoexpressionistischen Gemälden bis zu Skulpturen.

Fast immer war Lüpertz dabei provokant und egozentrisch – gegen die Bezeichnung „Malerfürst“ hat er sich nie gewehrt.

Peter Sevenich