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Ganz schön sachlich, was man über einen Roman so alles sagen kann. Wer in die Welt einer tollen Geschichte für junge Menschen abtauchen will, findet in der Schatzkiste ein gut gefülltes Fach mit Tipps zum Lesen.

Was ist eigentlich ein ROMAN?

Ob im Frühstücksfernsehen oder nach dem Fernsehfilm, in jeder Zeitung und im Radio werden Romane angepriesen oder kritisiert. Der Roman scheint angesagt zu sein im heutigen Kulturbetrieb.

Bücher gibt es viele – große, kleine, dicke, dünne, schwere, leichte. Auf manchen steht das Wort „Roman“. Warum eigentlich? Literatur ist vielfältig, und der Roman ein Tropfen im Meer der Literatur. in diesem Meer finden wir neben dem Roman auch Erzählungen, Novellen oder Gedichte. Diese Formen sind meist kürzer als ein Roman, und damit ist ein Kennzeichen des Romans geklärt: seine Länge. Während eine Erzählung sehr gedrängt und meist objektiv ein ungewöhnliches Ereignis, eine Einzelsituation aufgreift, die für Menschen eine Schicksalswende bedeutet, zeigt der Roman eine ganze Entwicklung von Einzelfiguren oder Gruppen von Menschen. Die Erzählung, oder Novelle, kann kaum ein umfassendes Bild eines Zeitalters vermitteln oder einen kompletten „Lebenslauf“. Der Roman kann das schon. Deshalb lernen die Leser die Figuren in ihrer Besonderheit kennen, oder die geschichtlichen Zusammenhänge in denen sie „leben“.

IM ROMAN WIRD NICHT GEREIMT

Der Begriff „Roman“ wurde im 12. Jahrhundert in Frankreich geprägt und bezeichnete zunächst die Sprache des Volkes, die „Lingua Romana“ im Gegensatz zum Latein der Gelehrten. Später wurde das Wort benutzt, um erzählte Geschichten zu beschreiben, im Gegensatz zur Versdichtung – im Roman wurde also nicht gereimt. In Deutschland bürgerte sich der Begriff im 17. Jahrhundert ein. Aus dieser Zeit stammt auch der erste deutschsprachige Roman, „Der abenteuerliche Simplicissimus“ von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen. 1668 beschreibt er, was ein naiver junger Mann in den Wirren und Grausamkeiten des 30jährigen Krieges erlebt. Der Roman war damals schon ein Renner und wird auch heute noch verkauft.

 
In Frankreich fing es im 12. Jahrhundert an, in China im 13. Aber das war alles noch nicht gedruckt. Die wenigsten Menschen konnten lesen. Und mit dem Roman verhält es sich ähnlich wie mit der Bibel: Erst als der Buchdruck erfunden war, konnten auch einfachere Leute selbst etwas damit anfangen.

DER LESER WIRD IN EINE WELT GEZOGEN

Der weltweite Siegeszug des Romans basiert zum großen Teil auf der erzählerischen Breite, die ihn von den anderen Gattungen abhebt, und darauf, dass er die Leser für Stunden aus dem Alltag entführt. Auf diese Weise werden auch die Gefühle des Lesers gegenüber einzelnen Figuren verstärkt, egal ob das Sympathie oder Abneigung ist. Der Leser wird in die Welt des Romans hinein gezogen. Das wird besonders dann deutlich, wenn Figuren und Geschichte sich nicht mit der heutigen Lebenswirklichkeit decken, etwa im historischen Roman (kein Leser kennt das Mittelalter aus eigener Erfahrung) oder in Science Fiction und Fantasy-Romanen.

 

Der „Simplicissimus“ gilt übrigens als Abenteuerroman, was man damals gerne las. Ein anderes Beispiele ist Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ aus der gleichen Epoche und „Moby Dick“ von Herman Melville, in dem der holzbeinige Kapitän Ahab den Wal jagt. Heute sind Abenteuerromane selten geworden oder man nennt sie „Thriller“.

DAS LEBEN IM ROMAN FINDEN

Auch für den Roman gab es gute und schlechte Zeiten. Im 19. Jahrhundert, in der Epoche des so genannten „Realismus“, war der Roman tonangebend – verständlich, erfordert doch die realistische Darstellung vom Leben der Menschen eine Breite der Darstellung, die nur der Roman liefern kann. 100 Jahre später wurde besonders in den USA die Kurzgeschichte wichtiger, vielleicht, weil im Zuge der modernen Arbeitsabläufe die Zeit zum Lesen knapper wurde. Um so erfreulicher, dass Romane jetzt wieder so viele Leser finden. Leser, die im Roman etwas suchen und im besten Falle auch finden: das Leben an sich; oder auch ganz einfach eine ganz besondere Unterhaltung, die kein anderes Medium ersetzen kann.

Marco Schneiders