Es gibt Begriffe, die jeder kennt und jeder verwendet, aber wenn man sie erklären soll, wird es kompliziert. Das ist so, wie wenn man die Abseits-Regel vom Fußballspiel in Worte fassen will.
Was also unterscheidet einen Roman von anderen Erzählformen? KiKuMa hat jemanden um Auskunft gebeten, der berufsmäßig sehr viel mit aufgeschrieben Geschichten zu tun hat und daraus gedruckte Romane macht. Seine Erklärung könnt ihr hier nachlesen:
Was ist eigentlich ein Roman?
Und wenn ihr Tipps braucht, was es so an tollen Büchern gibt und ob es sich lohnt, sie zu kaufen, dann schaut mal im Fach Lesen in unserer Schatzkiste nach. Da werden Bücher mal ganz anders als sonst besprochen.
WANN WIRD EINE EINFACHE GESCHICHTE ZU EINEM MITREISSENDEN ROMAN?
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Kapitän Ahab steht - das eine Bein aus dem Knochen eines Pottwals gedrechselt – auf seinem Walfänger und schaut grimmig auf das Meer. Er will Moby Dick, den weißen Wal und sein ärgster Feind, endlich an der Harpune haben. Das allein ist Kapitän Ahabs Lebensziel. So beschreibt es 1851 Herman Melville in seinem Roman. Die Geschichte ist derart spannend, dass Viele das Buch heute noch von der ersten bis zur letzten Seite verschlingen. Dabei sind es fast tausend Seiten, bis Ahab sein kühles Grab findet, gefesselt an den Riesenleib des Wals.
Aber was ist eigentlich ein Roman? Er kann eine wahre Geschichte wiedergeben oderdie Handlung ist frei erfunden. Der Schriftsteller möchte seine Leser fesseln. Figuren existieren in seiner Erzählung, die im wirklichen Leben oft gar nicht vorkommen.
Trotzdem schafft der Schriftsteller in seinem Buch einen Lebensraum mit vielen Figuren, die im Kopf des Lesers zu einer „wirklichen“ Geschichte werden. Das ist aber noch nicht alles: Während eine kürzere Erzählung meist ein ungewöhnliches Ereignis, einen Konflikt wiedergibt, eine Einzelsituation aus dem Leben der Hauptfigur aufgreift, die für Menschen eine Lebenswende bedeutet, zeigt der Roman die Entwicklung von Einzelfiguren, Gruppen oder ganzen Generationen.
Romane sind eine vergleichsweise junge Literaturform. Vor etwa 800 Jahren war vor allem das ‚Epos’ weit verbreitet. Diese meist gesungenen Erzählungen schilderten Legenden aus der Vergangenheit. Der Sänger stand bei Festmahlen vor der Fürstenfamilie und trug seine Geschichte vor, damit die Herrschaften Abwechslung hatten. Das Ganze geschah auch noch in Versform, so dass es von Musik begleitet werden konnte; eine Situation fast wie heute also, wenn wir beim Frühstück Radio hören. Das Epos selbst hat keiner gelesen. Der Grund dafür ist einfach: Die meisten Menschen konnten damals weder schreiben noch lesen.
Im 12. Jahrhundert änderte sich das allmählich. Schriften wurden in Frankreich nicht mehr lateinisch verfasst, sondern in der romanischen Volkssprache, die das Volk schon eher lesen konnte. Daraus hat sich ‚Roman’ abgeleitet. Es dauerte dann noch einmal 500 Jahre, bis der Begriff in Deutschland ankam. Experten sind der Meinung, dass der erste große deutsche Roman von Weltrang „Der Abenteuerliche Symplicissimus“ von Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen ist, ein Buch mit einem für heutige Verhältnisse ziemlich bösen Humor.
Ein guter Schriftsteller zieht die Leser in seine Geschichte. Raum und Zeit können sich anders auflösen als in der Wirklichkeit, etwa
im Science Fiction- oder Fantasy-Roman. Die Spannung kann bis in das Unterbewusste des Lesers eindringen, wie etwa beim Thriller.
Die Leser eines Romans können sich in ihrer Fantasie auf Situationen einlassen, die in der rationalen Wirklichkeit unserer technischen Welt überhaupt keinen Platz haben. Deshalb vielleicht finden Romane immer noch so viele Leser: Menschen die das Leben suchen oder auch ganz einfach eine ganz besondere Unterhaltung, die kein anderes Medium
ersetzen kann.