Wenn ihr eine Vorstellung davon habt, wie Kinder im Mittelalter gelebt haben können, dann schreibt sie doch auf und sende sie an info@kikuma.de. Wir veröffentlichen die geschichte auf der Hompage und belohnen die Mühe mit Büchern über das Mittelalter!
Die Plassenburg liegt in der Nähe von Kulmbach in Oberfranken. Vielleicht habt ihr ja mal Lust sie euch anzuschauen, wenn ihr dort in der Nähe seid.
www.plassenburg.ku.ms/
MÄDCHEN IM MITTELALTER, EIN BESONDERS HARTES LEBEN
Hallo, ich bin Elsa und wohne auf der Plassenburg*. Mein Vater, Graf Berthold, ist hier der Herr. Wir schreiben das Jahr 1150, das kann ich mir gut merken, denn ich bin genau zehn Jahre alt. Meine Mutter sorgt jetzt schon dafür, dass aus mir eine gute Ehefrau wird. Viel Zeit hat sie nicht mehr, denn spätestens mit 15 soll ich heiraten, das ist so üblich. Am meisten stört mich, dass wir immer so früh aufstehen müssen. Denn es ist Oktober und die Nächte sind schon sehr kalt auf unserer Burg. Nur ein paar Wohnräume haben einen Kamin und können beheizt werden.
Nach dem Mittagessen muss ich zu meiner Mutter kommen. Sie übt mit mir lesen, schreiben und rechnen. Wenn ich keine Lust habe, sagt sie immer: „Lernen ist sehr wichtig, wenn du später eine Burg führen willst. Die Männer können das nämlich fast nie. Die können nur kämpfen. Kannst du aber rechnen und schreiben, muss dein Mann dich immer fragen.“ Das wird wohl richtig sein. Denn meinen Bruder Otto sehe ich seit fünf Jahren nur selten. Der ist auf der Cadolzburg, um Knappe zu werden. Mit dem Schwert kann er schon ganz gut umgehen. Vielleicht wird er auch mal ein tapferer Ritter.
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So romantisch das Leben auf der Burg oft geschildert wurde: Selbst für adelige Mädchen gab es selten Grund zur Freude. |
Manchmal habe ich da meine Zweifel. Als er vor ein paar Wochen zu Besuch war, habe ich nämlich eine Ratte gefangen und in seinem Bett versteckt. Mit einem Satz war er aus dem Bett und schrie wie wahnsinnig. Er dachte, ein Dämon hätte ihn besucht. Dabei sind Ratten bei uns doch völlig normal. Aber vielleicht hatte sich das Vieh bei ihm besonders angekuschelt, schließlich hatte Berthold schon seit zwei Wochen nicht mehr gebadet. Der stinkt wirklich so wie unser Personal. Dabei sagt doch niemand etwas, wenn die Familie des Burgherrn mal warmes Wasser für ein angenehmes Bad verlangt. Aber mein Bruder ekelt sich davor, dass alle anderen der Familie vor ihm in das gleiche Wasser gehen. Seine Läuse und Flöhe freuen sich darüber, dass er nie badet. So richtig interessiert mich das zur Zeitaber nicht. Denn gestern habe ich mitbekommen, wie mein Vater einen Gast beherbergte, mit dem er sehr lange redete. Frauen dürfen nicht dabei sein und ich schon gar nicht.
Deshalb habe ich mich ganz vorsichtig herangeschlichen. Viel habe ich nicht verstanden, aber mir wurde klar, es ging um mich. Ich soll verheiratet werden, damit irgendein Vertrag mit einem anderen Grafen geschlossen werden kann. Angeblich soll das schon in zwei Jahren geschehen, wenn ich mein zwölftes Lebensjahr vollendet habe.
Mit meinem Vater kann ich nicht darüber reden. Der wird mich verprügeln und erst mal einsperren. Denn Mädchen und Frauen haben zu gehorchen. Außerdem geht es um die Ehre der Familie, wenn ich an einen bedeutenden Adligen gegeben werde. Meine Meinung interessiert überhaupt nicht. Meine Mutter hört mich ebenfalls nicht an. Sie will ja nur beweisen, dass sie mich zu einer brauchbaren Burgherrin erzogen hat, die sich um die Hauswirtschaft kümmern kann und mit ihrem Mann möglichst viele Kinder bekommt. Dafür hat sie mich erzogen, also wird sie die Pläne meines Vaters nicht verhindern.
Ich müsste in ein Kloster flüchten und Nonne werden, wenn der Mann mir nicht gefällt, den ich heiraten soll. Aber ins Kloster werde ich sowieso gesperrt, wenn der Vater keinen passenden Mann für mich findet. Auch ein Graf kann sich keine unnütze Esserin leisten. Das sagt er jedenfalls immer.