Wer kennt Paul Luther? Eduard Einstein, schon mal gehört? Wer ist Wilhelm Friedemann Bach? Lebt der vielleicht heute irgendwo in Deutschland? Steht Anna Freud in einem Telefonbuch und ist Claude Picasso etwa ein aktueller Künstler? Eine Frage lässt sich schnell beantworten: Alle miteinander sind sie Kinder berühmter Persönlichkeiten. Normalerweise stellt man bei diesen Berühmtheiten nicht mal die Frage, hatten die überhaupt Kinder? Und wenn, dann hatten die doch bestimmt viele Probleme. Soviel Bekanntheit, wer kann damit schon richtig umgehen?
| Karriere als ArztPaul Luther jedenfalls kam ganz gut damit zurecht. Erst bewegte er sich ein wenig in den Bahnen seines Vaters, denn er studierte Griechisch und Latein. Dann kam er zu seiner tatsächlichen Berufung: Medizin. Im Jahre 1557 erhielt er die medizinische Doktorwürde an der Wittenberger Universität. Ein Jahr später wurde er bereits als Professor an die Universität Jena berufen. Doch sein tatsächlicher Beruf war schon bald Leibarzt. Bis zu dessen Tod betreute er erst mal Johann Friedrich II. von Weimar, dann Kurfürst Joachim II. von Brandenburg. Luther starb als kurfürstlicher Leibarzt in Leipzig, wo an seinem Sterbebett im März 1593 sicher ebenfalls ein Arzt gesessen hat. |
| TrennungskinderSchwieriger hatten es im Leben dagegen die Einstein–Söhne Eduard und Hans Albert. Der jüngere Eduard war ein sensibler Mensch und sehr guter Schüler. Nach dem Abitur in Zürich 1929 wollte er Psychiater werden. Aber schon ein Jahr später erkrankte Eduard an Schizophrenie. Er starb 1965 im Schweizer Sanatorium „Burghölzli“. Ganz anders Hans Albert Einstein, der ältere Sohn des großen Physikers. Er starb 1955 als international anerkannter Professor für Hydraulik in Kalifornien. In Einem waren sich die beide Söhne aber einig: Das Verhältnis zum Vater war viele Jahre sehr schwierig, denn sie litten sehr unter der Trennung ihrer Eltern. |
| Treue TochterStress mit dem Vater, der war Anna Freud fremd. Im Gegenteil, sie war seine treueste Vertraute. Nach einer Lehranalyse bei ihrem Vater arbeitete sie selbst als Psychoanalytikerin und vertrat ihren Vater sogar auf Kongressen. Nach der Emigration der Familie aus Österreich machte Anna Freud in England Karriere. Als Psychoanalytikerin für Kinder war sie in Fachkreisen bis zu ihrem Tod 1982 genauso anerkannt wie ihr Vater. |
| Den Vater überwundenClaude Picasso lebt heute noch. Als Sohn des berühmten Malers fühlte er sich in seiner Jugend zurückgesetzt. Aber Claude ist kein Maler, sondern Fotograf und Filmemacher, deshalb haben ihn die Vergleiche mit dem berühmten Vater irgendwann gleichgültig gelassen. Dabei hatten es Claude und seine Schwester Paloma Gilot erst mal schwer, überhaupt Picassos zu werden. Denn Pablo Picasso war zur Zeit ihrer Geburt immer noch mit der russischen Tänzerin Olga Chochlowa verheiratet. Beide Kinder waren nach französischem Recht also unehelich geboren. Es dauerte fast 30 Jahre, bis die beiden den Namen des Vaters tragen konnten. Der Sympathie unter den vier Kindern – Picasso hatte ja noch zwei Kinder von zwei anderen Frauen – hat der Namensstreit nie geschadet. |
| FamilientraditionJohann Sebastian Bach war ein ganz Großer. Musikalisch sowieso, aber welcher Musiker schafft es schon, Vater von vier mehr oder weniger großartigen Musikern zu sein? Wir reden von Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel, Johann Christoph Friedrich und Johann Christian. Nun gut, Wilhelm Friedemann galt mehr als ein Improvisationskünstler, von dem der Bruder Carl Philipp sagte: „Er konnte unseren Vater besser ersetzen als wir alle zusammen genommen.“ Was hilft das schon, wenn man betrunken völlig ausrastet. So ist es jedenfalls vom ältesten Bach-Sohn überliefert. Solche Eskapaden kennt man von Carl Philipp Emanuel nicht. Der studierte Rechtswissenschaften und kam danach zur Musik. Im 18. Jahrhundert gilt er als bedeutender Komponist der Frühklassik. Sein Bruder Johann Christoph Friedrich Bach studierte nur kurz Jura. 1751 wurde er Konzertmeister der Bückeburger Hofkapelle. Das Ensemble machte er zu einem der besten in Deutschland. Johann Christian Bach arbeitete erst als Dom-Organist in Mailand, bevor er als Opernkomponist 20 Jahre in London lebte. Mozart lernte als Achtjähriger dessen Art, Klavier zu spielen. Er wollte so komponieren wie der jüngste Bach-Sohn. Mozart schrieb später sogar drei seiner Klaviersonaten zu Klavierkonzerten um. Das nennt man maximalen Erfolg, wenn der Vater über den Sohn ein weiteres Genie der nächsten Musikepoche beeinflusst. Johann Sebastian Bach kann also für alle Zeit in Frieden ruhen. |